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Künstliche Intelligenz · 8. Oktober 2026Wo mit KI im Unternehmen anfangen?

KI im KMU sinnvoll starten: Anwendungsfälle finden, mit einer Matrix bewerten und Wirtschaftlichkeit prüfen. Mit ausfüllbarer Arbeitshilfe und Pilotkriterien.

Wo mit KI im Unternehmen anfangen?

Ein Angebot bleibt liegen, weil Produktinformationen fehlen. Im Kundenservice werden dieselben Fragen immer wieder recherchiert. Eingehende Dokumente müssen gelesen, zugeordnet und ins richtige System übertragen werden. Solche Aufgaben sind mögliche Ansatzpunkte für KI – sofern die Lösung im Alltag mehr Arbeit abnimmt, als sie durch Kontrolle und Pflege verursacht.

Für Geschäftsführer kleiner und mittlerer Unternehmen stellt sich deshalb zuerst eine betriebliche Frage: Welchen konkreten Ablauf können wir mit vertretbarem Aufwand messbar verbessern? Ein geeigneter Einstieg verbindet spürbaren Nutzen, verfügbare Daten und Ergebnisse, die Mitarbeiter zuverlässig prüfen können.

Dieser Leitfaden führt Sie von fünf bis zehn Ideen zu einem begründeten Pilotprojekt. Sie erfassen den heutigen Prozess, vergleichen KI mit einfacheren Lösungen und priorisieren mit der Impact-Umsetzbarkeits-Matrix. Die Arbeitshilfe am Ende können Sie direkt für Ihr Unternehmen ausfüllen.

Was KI heute im Unternehmen übernehmen kann

KI-Assistenten können Dokumente auswerten, relevante Informationen aus freigegebenen Wissensquellen finden und Antwort- oder Angebotsentwürfe vorbereiten. KI-Agenten können zusätzlich Werkzeuge aufrufen und mehrere Arbeitsschritte innerhalb vorgegebener Berechtigungen ausführen, etwa Informationen abrufen und einen Vorgang im System vorbereiten. Ob das zuverlässig funktioniert, hängt von der Aufgabe, den Daten und der Einbindung in den Arbeitsablauf ab.

Ein klassischer, regelbasierter Chatbot folgt dagegen meist festgelegten Dialogen und hinterlegten Antworten. Für klar begrenzte Standardfragen kann das weiterhin sinnvoll sein. Moderne KI-Assistenten können ebenfalls über eine Chatoberfläche bedient werden. „Chatbot“ beschreibt daher oft die Art der Bedienung, während „Assistent“ und „Agent“ eher die Funktion beschreiben. Die Begriffe sind im Markt nicht einheitlich abgegrenzt.

Für Ihr erstes Projekt ist der Funktionsumfang entscheidend: Soll die KI Informationen liefern, einen Vorschlag machen oder selbst eine Aktion ausführen? Je mehr sie ausführen darf, desto wichtiger werden Rechtebegrenzung, Protokollierung und verbindliche Freigaben.

1. Fünf bis zehn mögliche Anwendungsfälle finden

Reservieren Sie eine Stunde mit Mitarbeitern aus zwei oder drei Bereichen, beispielsweise Vertrieb, Service und Verwaltung. Lassen Sie sich Aufgaben zeigen, die wiederholt Zeit kosten oder zu Nacharbeit führen. Fragen Sie nach konkreten Vorgängen aus der vergangenen Woche, nicht nur nach allgemeinen Wünschen.

Diese fünf Fragen helfen beim Sammeln:

  1. Welche wiederkehrenden Aufgaben kosten besonders viel Arbeitszeit?
  2. Wo suchen Mitarbeiter Informationen in mehreren Dokumenten oder Systemen zusammen?
  3. Bei welchen Tätigkeiten entstehen regelmäßig Fehler, Rückfragen oder doppelte Arbeit?
  4. Welche Aufgaben bleiben liegen, obwohl sie für Kunden oder Kollegen wichtig sind?
  5. Wo würden schnellere oder verlässlichere Informationen eine Entscheidung erleichtern?

Formulieren Sie jede Idee als Aufgabe mit einem Ergebnis. „KI im Vertrieb“ ist zu breit. „Aus einer Kundenanfrage und freigegebenen Produktdaten einen Angebotsentwurf erstellen“ lässt sich untersuchen.

Die folgenden Beispiele liefern Anregungen. Sie sind keine pauschalen Empfehlungen; ihre Eignung hängt von Ihrem Betrieb ab.

BereichMöglicher AnwendungsfallErgebnis bleibt prüfbar durch
KundenserviceEingehende Anfragen einer zuständigen Abteilung zuordnenVergleich von Nachricht und Zuordnung
VertriebAngebotsentwürfe aus Anfrage und Produktdaten vorbereitenPrüfung von Positionen, Preisen und Bedingungen
Technischer ServicePassende Stellen in Handbüchern findenQuellenangabe und Originaldokument
EinkaufUnterschiede zwischen Lieferantenangeboten herausarbeitenAbgleich mit den Angeboten
VerwaltungAngaben aus unterschiedlich aufgebauten Dokumenten übernehmenAbgleich jedes Feldes mit dem Original
QualitätsmanagementReklamationen nach wiederkehrenden Ursachen gruppierenStichprobe und Prüfung der Kategorien
Interne OrganisationArbeitsanweisungen aus freigegebenen Unterlagen erschließenFundstelle, Versionsstand und Zugriffsrechte
ProjektarbeitAufgaben aus Besprechungsnotizen vorschlagenBestätigung von Aufgabe und Zuständigkeit

Sammeln Sie zunächst fünf bis zehn Ideen. Notieren Sie jeweils, wer die Aufgabe erledigt, wie häufig sie vorkommt und welches Problem behoben werden soll. Die technische Lösung kann noch offenbleiben.

2. Den heutigen Prozess verstehen

Nehmen Sie für die interessantesten Ideen jeweils einige typische Vorgänge und mindestens einen Ausnahmefall durch. Ein kurzer gemeinsamer Blick auf den tatsächlichen Ablauf ist aussagekräftiger als eine Prozessbeschreibung, die seit Jahren niemand aktualisiert hat.

Halten Sie fest, was die Arbeit auslöst, welche Schritte folgen und woher die benötigten Informationen kommen. Erfassen Sie außerdem, wo Wartezeiten, Fehler und Nacharbeit entstehen und wer das Ergebnis freigibt. Trennen Sie aktive Bearbeitungszeit von Wartezeit: Ein Vorgang kann zwei Tage dauern, obwohl nur zehn Minuten daran gearbeitet wird.

Für unser Beispiel lautet der heutige Ablauf: Kundenanfrage kommt per E-Mail an, ein Mitarbeiter liest sie, prüft bei Bedarf Kundendaten und leitet sie an die zuständige Abteilung weiter. Unklare Nachrichten erfordern eine Rückfrage. Ob die Zuordnung richtig war, zeigt sich an der bestätigten Zuständigkeit oder einer erneuten Weiterleitung.

Messen Sie zunächst über einen überschaubaren Zeitraum Fallzahl und Bearbeitungszeit. Dokumentieren Sie auch die Unterschiede zwischen einfachen und schwierigen Fällen. Schätzungen sind für die Vorauswahl zulässig, sollten aber als solche erkennbar sein. Im Pilot werden sie durch Messwerte ersetzt.

3. Prüfen, ob eine Lösung ohne KI genügt

Bevor Sie KI einplanen, überlegen Sie, wodurch das Problem entsteht. Fehlende Zuständigkeiten lassen sich durch klare Regeln beheben. Ein besseres Kontaktformular kann Anfragen vorsortieren. Einheitliche Vorlagen, eine gepflegte Wissenssammlung oder vorhandene Funktionen Ihrer Software können Such- und Übertragungsarbeit reduzieren.

Wenn Informationen strukturiert vorliegen und der Ablauf eindeutigen Regeln folgt, ist klassische Automatisierung häufig leichter zu prüfen und zu betreiben. KI wird interessant, wenn frei formulierte Texte, variierende Dokumente oder inhaltliche Zusammenhänge verarbeitet werden müssen. Auch dann kann eine Kombination sinnvoll sein: feste Regeln übernehmen eindeutige Fälle, KI schlägt eine Lösung für variable Inhalte vor, Mitarbeiter klären Ausnahmen.

Vergleichen Sie bei der Vorauswahl mindestens drei Wege: den Prozess vereinfachen, mit vorhandener Software oder Regeln automatisieren und KI einsetzen. Für Kundenanfragen könnten das ein Formular mit Themenauswahl, feste Weiterleitungsregeln oder eine KI-gestützte Zuordnung sein. Alle drei Varianten müssen an derselben Aufgabe gemessen werden.

4. Impact und Umsetzbarkeit bewerten

Impact bezeichnet den betrieblichen Nutzen. Dazu zählen weniger Bearbeitungszeit, weniger Fehler und Nacharbeit oder eine kürzere Reaktionszeit. Wählen Sie pro Idee eine Hauptkennzahl. „Service verbessern“ lässt sich schwer vergleichen; „die aktive Zeit für die Zuordnung von Anfragen senken“ ist überprüfbar. Zusätzlicher Umsatz ist erst dann belastbar, wenn Sie den Zusammenhang mit der Lösung belegen können.

Umsetzbarkeit beschreibt, wie einfach die Lösung unter Ihren Bedingungen realisiert und betrieben werden kann. Dazu gehören Datenqualität, Zugriffsrechte, Schnittstellen, Kontrollaufwand, Kosten, verfügbare Mitarbeiter sowie Datenschutz und Sicherheit. Eine überzeugende Vorführung mit Beispieldaten allein rechtfertigt noch keine hohe Bewertung.

Bewerten Sie beide Achsen von 1 bis 5 und schreiben Sie jeweils einen Satz zur Begründung:

WertImpactUmsetzbarkeit
1Kaum spürbarer NutzenWesentliche Voraussetzungen fehlen
2Begrenzter NutzenErhebliche Vorarbeiten erforderlich
3Mittlerer NutzenMit überschaubaren Vorarbeiten machbar
4Hoher NutzenGute Voraussetzungen, wenige Abhängigkeiten
5Sehr hoher NutzenDaten, Rechte, Prüfung und Betrieb sind geklärt

Die Skala ist eine Arbeitshilfe, keine objektive Messung. Vereinbaren Sie vor der Bewertung, was in Ihrem Unternehmen als hoher Nutzen gilt: etwa eine bestimmte Zahl frei werdender Stunden oder eine deutlich geringere Fehlerquote. Beziehen Sie die Mitarbeiter ein, die den Ablauf kennen.

5. Mit der Matrix den ersten Kandidaten auswählen

Tragen Sie jede Idee in die Matrix ein. Auf der X-Achse steigt die Umsetzbarkeit von schwierig links zu einfach rechts. Auf der Y-Achse steigt der Impact von gering unten zu hoch oben.

Impact-Umsetzbarkeits-MatrixX-Achse: schwierig links, einfach rechts. Y-Achse: geringer Impact unten, hoher Impact oben. Oben rechts Priorität 1 Quick Wins; oben links Priorität 2 Strategische Projekte; unten rechts Priorität 3 Zurückstellen; unten links Priorität 4 Vermeiden.KI-ANWENDUNGSFÄLLE PRIORISIERENImpact-Umsetzbarkeits-MatrixBewerten Sie den Nutzen und die Voraussetzungen in Ihrem Unternehmen.PRIO 2PRIO 1PRIO 4PRIO 3Strategische ProjekteQuick WinsVermeidenZurückstellenHoher Nutzen, anspruchsvolleUmsetzung. Vorarbeiten planen.Hoher Nutzen, gute Voraussetzungen.Hier den ersten Pilot suchen.Geringer Nutzen, schwierigeUmsetzung. Derzeit nicht verfolgen.Geringer Nutzen, einfache Umsetzung.Bei Bedarf später aufgreifen.IMPACThochgeringschwierigeinfachUMSETZBARKEITUmsetzbarkeit: Daten · Schnittstellen · Kosten · Kompetenzen · Datenschutz · SicherheitDie Matrix priorisiert Ideen. Wirtschaftlichkeit und Risiken werden anschließend geprüft.somesolutions.de
Hoher Nutzen und einfache Umsetzung: Kandidaten für den ersten Pilot liegen oben rechts. Grafik vergrößern
Links: schwierig umsetzbarRechts: einfach umsetzbar
Oben: hoher ImpactPrio 2 – Strategische ProjektePrio 1 – Quick Wins
Unten: geringer ImpactPrio 4 – VermeidenPrio 3 – Zurückstellen

Prio 1 – Quick Wins: Hier suchen Sie Ihren ersten Pilotkandidaten. Ein hoher Nutzen trifft auf gute Voraussetzungen. „Quick Win“ bedeutet einen vergleichsweise einfachen Einstieg, nicht eine fertige Lösung ohne Prüfung.

Prio 2 – Strategische Projekte: Diese Vorhaben versprechen hohen Nutzen, benötigen aber Vorarbeiten, etwa bessere Stammdaten oder neue Schnittstellen. Halten Sie fest, welche Voraussetzung zuerst geschaffen werden muss.

Prio 3 – Zurückstellen: Leicht umsetzbare Ideen mit geringem Nutzen können für einen begrenzten Lerntest taugen. Sie sollten wichtigere Verbesserungen nicht verdrängen.

Prio 4 – Vermeiden: Bei geringem Nutzen und schwieriger Umsetzung lohnt sich die weitere Ausarbeitung derzeit meist nicht. Prüfen Sie die Idee erneut, wenn sich die Voraussetzungen ändern.

Für eine eindeutige Zuordnung in der Arbeitshilfe gelten Werte 4 und 5 als hoch beziehungsweise einfach, Werte 1 und 2 als gering beziehungsweise schwierig. Wert 3 bleibt vorläufig an der Grenze: Klären Sie die Unsicherheit, bevor Sie eine Priorität vergeben. Markieren Sie ungesicherte Annahmen neben dem Punkt in der Matrix.

Eine offene Rechtsgrundlage oder ein nicht beherrschbares Sicherheitsrisiko ist ein Ausschlusskriterium, das eine gute Bewertung nicht aufwiegt. Wenn keine Idee oben rechts liegt, verkleinern Sie den Umfang eines aussichtsreichen Vorhabens oder schaffen Sie zuerst die fehlenden Voraussetzungen.

6. Wirtschaftlichkeit mit offenen Annahmen rechnen

Rechnen Sie für den ausgewählten Kandidaten mit dem gesamten Aufwand, einschließlich menschlicher Prüfung und Nacharbeit. Das folgende Beispiel ist frei angenommen. Es enthält weder Anbieterpreise noch ein Leistungsversprechen.

Ein Unternehmen ordnet täglich 30 Kundenanfragen zu. Bei fünf Arbeitstagen und 48 Betriebswochen sind das 7.200 Anfragen im Jahr. Heute dauert die Zuordnung durchschnittlich vier Minuten. Eine KI schlägt künftig die Abteilung vor; ein Mitarbeiter prüft und bestätigt den Vorschlag. Wir nehmen an, dass dieser gesamte Ablauf einschließlich Korrekturen durchschnittlich zwei Minuten dauert.

Annahme oder RechenschrittWert
Jährliche Fallzahl30 × 5 × 48 = 7.200
Zeitgewinn je Anfrage4 − 2 = 2 Minuten
Jährlich frei werdende Arbeitszeit7.200 × 2 ÷ 60 = 240 Stunden
Angenommene Personalkosten je Stunde40 Euro
Rechnerischer Kapazitätswert pro Jahr240 × 40 = 9.600 Euro
Einmaliger Aufwand einschließlich interner Zeit4.000 Euro
Jährliche Betriebskosten einschließlich Pflege2.400 Euro
Verbleibender Kapazitätswert nach Betriebskosten9.600 − 2.400 = 7.200 Euro pro Jahr
Rechnerische Amortisation nach Start des Betriebs4.000 ÷ 7.200 × 12 ≈ 6,7 Monate

Die Amortisation gilt nur, wenn die frei werdende Zeit vollständig wirtschaftlich nutzbar ist und der angenommene Nutzen nach dem Start gleichmäßig anfällt. In dieser vereinfachten Rechnung bleiben Anlaufverluste, Finanzierung und Steuern unberücksichtigt. Im ersten Betriebsjahr stehen 9.600 Euro Kapazitätswert insgesamt 6.400 Euro einmaligen und laufenden Kosten gegenüber.

Freie Arbeitszeit ist noch keine Geldersparnis. Wenn Mitarbeiter dadurch mehr Kunden betreuen oder einen Rückstand abbauen, entsteht ein Nutzen. Die Lohnkosten sinken deshalb nicht automatisch. Eine tatsächlich vermiedene Ausgabe kann etwa entfallene Mehrarbeit oder eine nicht mehr benötigte externe Leistung sein.

Prüfen Sie eine vorsichtigere Annahme: Spart die Lösung nur eine Minute je Anfrage, entstehen 120 Stunden beziehungsweise 4.800 Euro Kapazitätswert im Jahr. Nach 2.400 Euro Betriebskosten bleiben 2.400 Euro; die rechnerische Amortisation steigt auf 20 Monate. Ist die frei werdende Zeit nicht sinnvoll nutzbar, trägt diese Zeitrechnung die Investition nicht.

Zu den Kosten gehören auch Datenaufbereitung, Integration, Schulung, Auswertung des Pilots, Lizenzen, Modellnutzung, Kontrolle, Wartung und spätere Anpassungen. Erfassen Sie sie einmalig oder laufend, ohne sie doppelt anzusetzen. Vergleichen Sie die Rechnung mit der besten Alternative ohne KI.

7. Daten und Verantwortung vor dem Test klären

Ein Pilot mit echten Daten ist bereits eine Datenverarbeitung. Prüfen Sie die Bedingungen deshalb vor dem ersten Upload. Für frühe Funktionstests eignen sich künstliche oder tatsächlich anonymisierte Beispiele. Pseudonymisierte Daten bleiben personenbezogen.

Datenschutz nach der DSGVO

Legen Sie Zweck und Rechtsgrundlage fest und begrenzen Sie die Daten auf das Erforderliche. Prüfen Sie bei sensiblen Daten zusätzliche Voraussetzungen, informieren Sie betroffene Personen und planen Sie Löschung sowie die Bearbeitung von Auskunfts- und anderen Betroffenenrechten. Diese Pflichten folgen insbesondere aus den Artikeln 5, 6, 9 und 12 bis 22 der DSGVO.

Klären Sie, welche Rolle der Dienstleister hat. Bei Auftragsverarbeitung benötigen Sie einen passenden Vertrag; prüfen Sie Unterauftragnehmer, Speicherfristen, eine mögliche Nutzung zum Modelltraining und Zugriffe aus Drittländern. Ein Serverstandort in Deutschland allein beantwortet diese Fragen nicht. Beschränken Sie Zugriffsrechte und prüfen Sie, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich ist. Die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz hilft bei Auswahl und Einsatz von KI-Anwendungen.

Bei ausschließlich automatisierten Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung ist zusätzlich Artikel 22 DSGVO zu prüfen. Eine menschliche Freigabe muss eine wirkliche Prüfung ermöglichen; bloßes Durchklicken genügt nicht.

Anforderungen aus dem EU AI Act

Entscheidend sind Verwendungszweck und Ihre Rolle als Betreiber oder Anbieter. Eine interne Suchhilfe ist anders einzuordnen als KI zur Bewerberauswahl oder zur Bewertung von Beschäftigten. Prüfen Sie die Risikoklasse, mögliche Verbote und die jeweils einschlägigen Pflichten vor dem Pilot. Eigene Entwicklung oder wesentliche Änderungen können die Anbieterrolle begründen.

Nach Artikel 4 müssen Anbieter und Betreiber Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz der beteiligten Personen ergreifen. Die im Juli 2026 geänderte Vorschrift verlangt keine Garantie für ein bestimmtes individuelles Kompetenzniveau. Schulen Sie Mitarbeiter passend zur Anwendung und dokumentieren Sie Maßnahmen und Regeln. Ein bestimmtes Zertifikat schreibt Artikel 4 nicht vor. Maßgeblich ist die Änderungsverordnung zum AI Act.

Seit dem 2. August 2026 gelten unter anderem die Transparenzpflichten des Artikels 50. Prüfen Sie etwa, wann Menschen über die Interaktion mit KI zu informieren sind und welche Kennzeichnungspflichten für erzeugte Inhalte greifen. Es besteht keine pauschale Pflicht, jeden intern erstellten Entwurf öffentlich zu kennzeichnen. Die EU-Kommission erläutert die Transparenzregeln.

Für Hochrisiko-Anwendungen nennt die aktuelle EU-Übersicht zum AI Act gesonderte Fristen: 2. Dezember 2027 für die erfassten sensiblen Einsatzbereiche und 2. August 2028 für entsprechende produktgebundene Systeme. Eine spätere Frist macht einen ungeklärten Einsatz nicht zu einem geeigneten Erstprojekt. Bei Personalentscheidungen und anderen folgenreichen Anwendungen sollten Sie frühzeitig fachkundige Prüfung einplanen.

Sicherheit und fachliche Verantwortung

Benennen Sie einen Prozessverantwortlichen und eine Person für den technischen Betrieb. Regeln Sie, wer Ergebnisse prüft, Fehler bearbeitet und Änderungen freigibt. Freigegebene Wissensquellen und ihre Zugriffsrechte müssen auch in der KI-Anwendung gelten.

Agenten sollten zunächst möglichst wenige Rechte erhalten. Nachrichten und Dokumente können irreführende Anweisungen enthalten, die eine KI zu unerwünschten Aktionen verleiten. Externe Inhalte dürfen deshalb keine Berechtigungen erweitern. Begrenzen Sie aufrufbare Werkzeuge, protokollieren Sie Aktionen ohne unnötige personenbezogene Inhalte und verlangen Sie Freigaben für Änderungen oder Versand.

8. Einen Pilot mit klaren Erfolgskriterien durchführen

Ein guter erster Pilot prüft eine eng begrenzte Aufgabe. Für Kundenanfragen könnte die KI ausschließlich eine zuständige Abteilung vorschlagen. Sie versendet keine Antworten und verändert keine Kundendaten. Bei unklaren Anfragen gibt sie den Fall an einen Mitarbeiter zurück.

Planen Sie beispielsweise vier Wochen mit zwei Anwendern, festem Budget und dokumentiertem Vergleich zum bisherigen Ablauf. Testen Sie zunächst auf einem zulässigen, repräsentativen Bestand, der nicht zur Anpassung der Lösung verwendet wurde. Dazu gehören auch mehrdeutige, fehlerhafte und seltene Fälle. Danach folgt ein begrenzter Praxistest mit menschlicher Freigabe.

Die folgenden Schwellen sind Beispielwerte für die Zuordnung von Anfragen, keine allgemeingültigen Qualitätsstandards:

KriteriumVorab vereinbarte Bedingung
ZuordnungsqualitätMindestens 95 Prozent der ausgegebenen Abteilungsvorschläge sind korrekt
AbdeckungFür mindestens 80 Prozent der Anfragen wird ein verwertbarer Vorschlag ausgegeben
ZeitDurchschnittlich höchstens zwei Minuten je Anfrage einschließlich aller Rückgaben, Prüfungen und Korrekturen
Kritische FälleIm definierten Testbestand wird keine als kritisch eingestufte Anfrage unbemerkt falsch weitergeleitet
KostenEinmaliges Budget eingehalten; laufende Gesamtkosten mit höchstens 2.400 Euro pro Jahr plausibel belegbar
VerantwortungAnwender können prüfen und korrigieren; Betrieb, Fehlerbehandlung und Rückkehr zum bisherigen Ablauf sind geregelt

Zählen Sie korrekte Vorschläge und Rückgaben getrennt. Sonst kann ein System gut aussehen, indem es die schwierigen Fälle fast immer zurückgibt. Eine fehlerfreie Stichprobe beweist außerdem keine Fehlerfreiheit im Betrieb. Prüfen Sie kritische Fehler gesondert und passen Sie Schwellen an die Folgen einer Fehlentscheidung an.

Legen Sie vorab Abbruchbedingungen fest: beispielsweise unzulässige Datenweitergabe, unerlaubte Aktionen, Überschreitung des Kostenlimits oder wiederholte kritische Fehlzuordnungen. Für Störungen muss der bisherige Ablauf verfügbar bleiben.

Am Ende entscheiden Sie anhand der Messwerte: in begrenztem Umfang weiterführen, gezielt nachbessern oder beenden. Vor dem breiteren Einsatz müssen Rechte, Überwachung, Wartung und Schulung stehen. Wenn sich der zusätzliche Kontrollaufwand als zu hoch erweist, kann eine einfachere Lösung die bessere Entscheidung sein.

Arbeitshilfe für Ihren ersten KI-Anwendungsfall

Füllen Sie zuerst die Ideenliste aus. Wählen Sie danach einen Kandidaten und vervollständigen Sie seinen Steckbrief. Offene Punkte sind Arbeitsaufträge, keine stillschweigend erfüllten Voraussetzungen.

Füllen Sie die Felder direkt hier aus und drucken Sie die Arbeitshilfe oder speichern Sie sie als Textdatei. Ihre Eingaben werden nicht an einen Server gesendet und nicht im Browser gespeichert. Speichern oder drucken Sie die Arbeitshilfe, bevor Sie die Seite schließen oder neu laden.

Ideenliste für fünf bis zehn Anwendungsfälle

Impact und Umsetzbarkeit: jeweils 1 bis 5. Werte 4–5 liegen im hohen beziehungsweise einfachen Bereich, Werte 1–2 im geringen beziehungsweise schwierigen Bereich. Bei Wert 3 bleibt die Priorität bis zur Klärung offen.

Nr.Konkrete AufgabeImpactUmsetzbarkeitPrioWichtigste Annahme oder offener Punkt
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10

Steckbrief für den ausgewählten Kandidaten

FeldIhre Angaben
Aufgabe und gewünschtes Ergebnis
Prozessverantwortlicher und beteiligte Mitarbeiter
Heutiger Ablauf mit Ausnahmefällen
Fallzahl pro Jahr und Messgrundlage
Aktuelle Zeit je Fall und heutige Fehlerquote
Beste Alternative ohne KI und ihr Aufwand
Datenquellen, Qualität und Zugriffsrechte
Datenschutz, Rechtsgrundlage und Risikoeinordnung
KI-Funktion, erlaubte Aktionen und menschliche Prüfung
Erwartete Zeit je Fall einschließlich Kontrolle
Zeitgewinn pro Jahr und konkret nutzbare Kapazität
Einmalige Kosten und jährliche Gesamtkosten
Konservative Annahme und Wirtschaftlichkeit
Pilotdauer, Teilnehmer und Budgetgrenze
Testbestand, Erfolgsschwellen und Abbruchbedingungen
Betrieb, Rückfalllösung und nächster Entscheidungstermin

Für Ihre Zeitrechnung: Jahresfallzahl × Zeitgewinn in Minuten ÷ 60 = frei werdende Stunden. Multiplizieren Sie diese mit Ihren angenommenen Personalkosten je Stunde, um den Kapazitätswert zu erhalten. Halten Sie daneben fest, wie Sie die Zeit tatsächlich nutzen können.

Von der KI-Idee zur Lösung im Unternehmen

Wir begleiten Unternehmen von der Auswahl geeigneter KI-Anwendungsfälle über die Entwicklung und Integration bis zum laufenden Betrieb. Gemeinsam prüfen wir, wo sich der Einsatz wirtschaftlich lohnt und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. Darauf aufbauend entwickeln wir Lösungen, die sich in Ihre bestehenden Systeme und Arbeitsabläufe einfügen.

Sie möchten KI in Ihrem Unternehmen einsetzen? Lassen Sie uns besprechen, wo Sie heute stehen und welchen nächsten Schritt Ihr Vorhaben braucht.

Weiterlesen: Warum die schnelle KI-Lösung ein Trugschluss ist

Stand der rechtlichen Hinweise: 8. Oktober 2026. Die konkrete Anwendung muss anhand ihres Zwecks, ihrer Daten und der jeweiligen rechtlichen Anforderungen geprüft werden.

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