Launch-Video aus deiner Website – mit Claude Code statt After Effects
Wer ein Produkt launcht, kennt das Problem: Das Schnitt-Tool will gelernt werden, eine Agentur kostet, und am Ende wartet man Tage auf die erste Schnittfassung. Es gibt inzwischen einen Weg, der für viele Teams überraschend gut funktioniert – und der nichts mit klassischen Videoschnitt-Programmen zu tun hat.
Was ist HyperFrames?
HyperFrames ist ein quelloffenes Rendering-Framework von HeyGen unter der Apache-2.0-Lizenz. Die Idee dahinter ist ungewöhnlich einfach: Ein Video ist hier kein Timeline-Projekt in einer proprietären Software, sondern eine ganz normale HTML-Datei. Szenen, Texte, Bilder, Timing – alles steckt in HTML-Elementen und data--Attributen. Aus dieser HTML-Komposition rendert HyperFrames lokal ein fertiges MP4, über Headless Chrome und FFmpeg. Der Code liegt offen auf GitHub.
Vergleichbare Frameworks gibt es bereits – das bekannteste ist Remotion. Der Unterschied: Remotion setzt auf React-Komponenten, HyperFrames bewusst auf schlichtes HTML. Und genau das ist der Clou, wenn eine KI im Spiel ist.
So funktioniert’s: ein Satz genügt
Der bequemste Einstieg ist die mitgelieferte „website-to-video”-Skill. Du installierst sie einmal in deinem Coding-Agent (Claude Code, Cursor, Codex oder Gemini CLI) und sagst dann sinngemäß: „Bau ein Launch-Video aus conrat-ai.de.” Den Rest übernimmt der Agent in klar getrennten Schritten:
- Er ruft die Website auf und zieht sich Screenshots, Logos und Assets.
- Er schreibt ein Storyboard – Szene für Szene, mit Text und Bildidee.
- Er baut jede Szene als HTML-Komposition im Stil deiner Marke.
- Er rendert das Ganze lokal zu einem MP4, das du teilen kannst.
Du musst dafür keine einzige Zeile Code selbst schreiben. Wichtig ist vor allem, dem Agent gute Vorlagen mitzugeben – etwa eine Design-Vorgabe mit deinen Farben und Schriften. HyperFrames hat dafür ein eigenes Format namens frame.md, das eine klassische Brand-Guideline in eine fürs Video passende Form übersetzt.
Warum ausgerechnet HTML?
Der eigentliche Grund, warum das so gut klappt, liegt nicht im Tool, sondern im Modell: Sprachmodelle schreiben HTML, CSS und JavaScript heute schlicht besser als jedes proprietäre Timeline-Format. HTML ist quasi ihre Muttersprache. Ein Agent kann darin nicht nur Inhalte korrekt anordnen, sondern auch visuelle Gestaltung ausdrücken – und das Ergebnis ist deterministisch: Gleicher Input, gleiches Video.
Der DSGVO-Blick: gerendert wird bei dir
Für Unternehmen im deutschen Mittelstand ist ein Detail besonders interessant: Das Rendern läuft lokal auf deiner Maschine. Headless Chrome und FFmpeg erzeugen das MP4 direkt auf deinem Rechner – das fertige Video wird nicht auf fremde Server hochgeladen. Das ist ein echter Vorteil gegenüber vielen Cloud-Videogeneratoren, bei denen deine Inhalte erst einmal das Haus verlassen.
Ehrlich gesagt – das Kleingedruckte
„Kostenlos” gilt fürs Tool, nicht für alles drumherum. HyperFrames selbst ist Open Source und ohne Render-Gebühren. Du brauchst aber einen Coding-Agent (z. B. Claude Code – das läuft über Abo oder API-Kosten) und, wenn du eine Sprecherstimme willst, optional einen kostenpflichtigen TTS-Anbieter. Eine lokale Stimm-Variante ist gratis, klingt aber schlichter.
Der Capture-Schritt kann in die Cloud telefonieren. Für bessere Beschreibungen der eingesammelten Assets lässt sich optional ein Gemini- oder OpenRouter-Key einbinden – das ist ein Cloud-Call. Bei einer öffentlichen Marketing-Seite ist das unkritisch; bei sensiblen internen Inhalten solltest du es bewusst weglassen.
Schritt für Schritt: dein erstes Video
So baust du das Ganze konkret nach. Alle Befehle kannst du direkt ins Terminal bzw. in Claude Code kopieren.
Voraussetzungen prüfen
Du brauchst Node.js 22+ und FFmpeg. Beides kurz checken:
node --version # muss v22.x oder höher sein
ffmpeg -version # muss eine Version ausgebenFehlt etwas: macOS brew install node ffmpeg · Windows winget install OpenJS.NodeJS Gyan.FFmpeg · Linux sudo apt install nodejs ffmpeg
HyperFrames-Skill in deinen Agent installieren
Ein Befehl lädt die HyperFrames-Skills in Claude Code (funktioniert genauso mit Cursor, Codex oder Gemini CLI):
npx skills add heygen-com/hyperframesProjektordner anlegen
Hält dein Video sauber an einem Ort:
npx hyperframes init mein-launch-video
cd mein-launch-videoDen Agent das Video bauen lassen
Jetzt in Claude Code (Modell: Opus 4.8) diesen Prompt schicken – URL einfach durch deine ersetzen:
# In Claude Code eingeben:
Nutze die /website-to-video Skill. Bau ein ca. 25-sekündiges
Launch-Video aus https://conrat-ai.de. Stil: klar, hochwertig,
ruhige Animationen, Marke im Vordergrund.Der Agent erledigt den Rest selbst: Er ruft die Seite auf, sammelt Screenshots und Logos ein, schreibt ein Storyboard und baut daraus Szene für Szene die HTML-Komposition.
Im Browser ansehen und nachschärfen
Live-Vorschau mit Auto-Reload starten:
npx hyperframes previewGefällt eine Szene noch nicht, sag es dem Agent in normaler Sprache – z. B. „Mach Szene 2 ruhiger und nutze das Logo als Vollbild-Hintergrund.” Fertige Bausteine ziehst du bei Bedarf aus dem Katalog:
npx hyperframes add data-chart # animiertes DiagrammLokal zu MP4 rendern
Wenn alles passt, einmal rendern – das Video entsteht direkt auf deinem Rechner:
npx hyperframes renderHeraus kommt eine fertige MP4-Datei, die du teilen oder in CapCut weiterschneiden kannst. Eine Sprecherstimme bekommst du optional über ein kostenloses lokales TTS-Modell oder einen bezahlten Anbieter wie ElevenLabs – beides steuerst du über denselben Agent.
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